Mahnwachen – Gewalt gegen Frauen  

Seit 2019 organisiert die AG der Gleichstellungsbeauftragten Mahnwachen, wenn eine Frau aus dem Landkreis Stade durch die Gewalteinwirkung ihres Partners oder Ex-Partners ums Leben gekommen ist. In dem Jahr 2019 wurden drei Frauen im Landkreis Stade Opfer von häuslicher Gewalt.

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter, und jede dritte Frau in Deutschland erlebt in ihrem Leben mindestens einmal sexualisierte oder körperliche Gewalt. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Vergewaltigung, häusliche Gewalt oder letztlich die Ermordung von Frauen sind Formen dieser Gewalt.  

Um diese Morde an Frauen als solche benennen zu können, sprechen wir von Femiziden: die Ermordung von Frauen wegen ihres Frauseins. Konkret ist damit die vorsätzliche Tötung einer Frau aufgrund eines angeblichen Verstoßes gegen tradierte und normative Rollenvorstellungen gemeint.  

Wer sind die Täter? Meistens üben Männer die Gewalt aus. Die betroffenen Frauen kennen oft die Täter. Vielleicht gehört der Täter zur Familie oder zu den Freunden. Oder es ist ein Arbeitskollege der Frau. Besonders oft ist der Täter der Partner. Oder er war einmal der Partner der Frau. 

Über Erfahrungen mit Gewalt sprechen ist nicht leicht, denn die Gewalt gegen Frauen passiert oft zu Hause in der Wohnung, meistens sind der Täter und die Frau alleine. Deswegen wollen viele Frauen nicht darüber sprechen. Sie haben Angst: „Keiner wird mir glauben.“

Gründe für das Schweigen über die Taten

Einige Frauen wollen auch aus anderen Gründen nicht darüber reden: 

-  Einige Frauen schämen sich. 
-  Einige Frauen geben sich selbst die Schuld für die Gewalt.
-  Einige Frauen sind von dem Täter abhängig. Zum Beispiel ist der Täter der Ehemann. Und
   die Frau verdient kein eigenes Geld. Dann ist die Frau von ihrem Ehemann abhängig. 
-  Einige Frauen haben Angst vor dem Täter. 

Frauen, die selbstbestimmt über ihr Leben, ihren Körper und ihre Sexualität entscheiden wollen, werden in diesem Sinne von denen, die dieses Aufbegehren nicht dulden, gewaltvoll bestraft.  

Dramatische Einzelfälle?
Femizide sind daher keine dramatischen Einzelfälle, zu welchen sie von Medien degradiert werden. Sie haben System und sind Produkt eines gesellschaftlichen Ganzen. Im Zuge dieser gesellschaftlichen Verkennung als vereinzelte Tragödien werden die Frauen zu Schuldigen an ihren eigenen Schicksalen. Nicht die Täter, vornehmlich Männer, werden als Täter benannt; stattdessen werden die Biografie und das konkrete Verhalten der Frau herangezogen, um die Übergriffe zu begründen und letztlich zu rechtfertigen. 

Diese Täter-Opfer-Umkehr findet nicht nur Eingang in die mediale Verarbeitung von Femiziden. Wie aus Studien hervorgeht, waltet auch vor Gericht häufig aufgrund des Fokussierens auf das Verhalten des weiblichen Opfers ein systematisches Nachsehen mit den angeklagten Tätern.

Foto:@Helfferich, Stader Tageblatt